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Der hartnäckige Glaube, dass Extravertierte die besseren Führungskräfte seien, beruht auf einem Missverständnis.

  • 2 Min. Lesezeit

Wir verwechseln das Verhalten in einer akuten Krise mit allgemeiner Führungskompetenz. Wenn es brennt und jemand laut ruft: „Hier entlang!“, dann rettet das Leben. In solchen Situationen ist schnelle, lautstarke Entschlossenheit überlebenswichtig. Und hier müssen wir direkt mit einem Vorurteil aufräumen: In so einer Extremsituation kann genauso eine introvertierte Person diejenige sein, die laut und klar den Weg weist. Krisenkompetenz ist keine Frage der Persönlichkeitsstruktur, sondern der Situation.

Das Problem entsteht, wenn wir dieses Bild weiterhin auf den normalen Führungsalltag übertragen. Zwischen einer akuten Krise und der langfristigen Entwicklung einer Vision liegen Welten.

Der Unterschied zwischen Krisenkompetenz und strategischer Vision

Wir müssen verstehen, dass die Merkmale Introversion und Extraversion keine klaren Indikatoren für oder gegen eine Führungsrolle sind. Der Gesamtkontext ist entscheidend. Introvertiert bedeutet schliesslich nicht „langsam“ oder „handlungsunfähig“, sondern beschreibt nur, woher ein Mensch seine Kraft bezieht: aus dem Inneren.

Zugespitzt könnte diese reflektierte Art bei vielen strategischen Führungsaufgaben ein besonderer Vorteil sein.

In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, dass genau diese introvertierten Menschen hervorragende Ideen haben. Sie hören hin, vernetzen Informationen und denken langfristig. Und dennoch werden sie im Alltag oft übersehen – nicht weil ihre Gedanken schlechter sind, sondern weil sie leiser präsentiert werden. Demgegenüber stehen Führungskräfte, die vor allem durch Dominanz und Lautstärke Orientierung geben, aber den Raum für diese langfristigen, tiefgründigen Visionen oft unbewusst einengen.

Wenn Lautstärke über den Erfolg entscheidet

Das eigentliche Problem liegt also gar nicht bei den Persönlichkeiten selbst, sondern in unserem veralteten Bild von Führung. Selbstversicherte Lautstärke oder Schnelligkeit sind in vielen Unternehmen leider immer noch massgeblich für den Erfolg des Einzelnen. Bei diesen Organisationen besteht das grosse Risiko, sehr gute und erfolgbringende Ansätze schlicht zu übersehen – auch wenn das Umdenken in anderen Firmen längst etabliert ist.

Neue Räume für leise Stärken schaffen

Mein Wunsch ist es nicht, dass introvertierte Führungskräfte plötzlich laut werden. Sondern dass sie entweder Menschen an ihrer Seite haben, die ihre Gedanken sichtbar machen, kritisch hinterfragen und dabei helfen, gute Ideen in den Raum zu bringen – oder dass die Organisationen sich dahingehend verändern, diese leisen Stärken bewusst zu akzeptieren.

Manchmal braucht es einen Sparringspartner.
Manchmal Facilitation.
Und manchmal einfach jemanden, der im Meeting fragt:

Übersehen wir gerade die beste Idee im Raum, nur weil sie nicht am lautesten vorgetragen wurde?


Michels Guidance begleitet KMU, Führungsteams und Selbstständige mit Facilitation – dort, wo unterschiedliche Perspektiven zu Klarheit und tragfähigen Entscheidungen werden.