
Social Media belohnt Klarheit.
Das ist weder gut noch schlecht.
Wer Aufmerksamkeit erzeugen möchte, muss komplexe Themen verständlich machen. Niemand liest einen Fachartikel mit zwanzig Einschränkungen und fünfzig Fussnoten auf LinkedIn, Instagram oder Facebook.
Deshalb werden komplexe Themen vereinfacht.
- Aus vielen Einflussfaktoren werden wenige.
- Aus Zusammenhängen werden Kernaussagen.
- Aus Wahrscheinlichkeiten werden Botschaften.
- Das ist nachvollziehbar.
Die Frage ist nur:
Ab welchem Punkt wird aus einer Vereinfachung eine Verkürzung?
Genau dort beginnt für mich die eigentliche Gefahr.
Nicht weil die Aussage falsch sein muss.
Sondern weil sie oft nur einen Teil der Wirklichkeit beschreibt.
Je komplexer ein Thema ist, desto grösser wird dieses Risiko:
- Führung.
- Zusammenarbeit.
- Veränderung.
- Motivation.
- Persönliche Entwicklung.
- Kommunikation.
- Entscheidungen.
All diese Themen haben eines gemeinsam:
- Sie entstehen selten durch eine einzige Ursache.
- Sie entstehen durch Wechselwirkungen.
- Menschen beeinflussen Menschen.
- Teams beeinflussen Entscheidungen.
- Entscheidungen beeinflussen Systeme.
Und Systeme beeinflussen wiederum Menschen.
Wenn wir diese Wechselwirkungen ausblenden, erhalten wir oft eine einfache Antwort.
Aber nicht zwingend ein besseres Verständnis.
Genau deshalb werde ich vorsichtig, wenn komplexe Zusammenhänge auf eine einzige Erklärung reduziert werden.
Nicht weil diese Erklärung falsch sein muss.
Sondern weil sie häufig unvollständig ist.
Und unvollständige Antworten sind oft schwieriger zu erkennen als falsche Antworten.
- Sie klingen plausibel.
- Sie wirken logisch.
- Sie geben uns das Gefühl von Klarheit.
Doch manchmal ist es keine echte Klarheit.
Manchmal ist es nur die Abwesenheit von Komplexität.
Systemisches Denken bedeutet für mich deshalb nicht, alles kompliziert zu machen.
- Es bedeutet, Zusammenhänge sichtbar zu machen.
- Es bedeutet zu erkennen, dass mehrere Faktoren gleichzeitig wirken können.
- Es bedeutet, Wechselwirkungen zu betrachten, statt nur nach einer Ursache zu suchen.
Erst dadurch entsteht aus meiner Sicht echte Klarheit.
Und erst aus Klarheit werden gute Entscheidungen möglich.
Genau deshalb fällt es mir oft schwer, Michels Guidance in einen einzigen Satz zu packen.
Nicht weil die Themen unnötig kompliziert wären.
Sondern weil wichtige Teile verloren gehen, wenn man sie zu stark vereinfacht.
Vielleicht ist das der Unterschied zwischen einer schnellen Antwort und einem echten Verständnis.
Die schnelle Antwort beendet die Suche.
Das Verständnis beginnt häufig erst dort, wo wir bereit sind, etwas länger hinzuschauen.
Kennen sie das auch?
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